Stadtteil Misburg

„Als ich vor 40 Jahren zum ersten Male in die Gemeindevertretung Misburgs gewählt wurde, da wusste ich nicht, dass diese Wahl mein ganzes späteres Leben beeinflussen würde“ (Gustav Bratke). Beim Gedanken an diesen Hannoveraner Stadtteil kommen den Menschen in der Region wahrscheinlich sofort zwei Dinge in den Sinn: Mittellandkanal und Industrie in Form von Zementwerken. Aber: Misburg, das sich ganz im Osten Hannovers befindet und aus Misburg-Nord und Misburg-Süd zusammensetzt, hat noch einiges mehr zu bieten.

Mehr als 650 Jahre Geschichte

Heute klingt das vielleicht unwahrscheinlich, Misburg ist aber tatsächlich über 650 Jahre alt. Die erste Erwähnung des einst kleinen Dorfes gab es 1365 in einer Urkunde des Herzogs Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg, der den Menschen in Hannover das Torfstechen zwischen Lahe, Altwarmbüchen und dem „Mudzborgher Holte“ (Misburger Holz) im Altwarmbüchener Moor gestattete. Wenige Jahre später, nämlich 1373, hielt Bischof Gerhard von Hildesheim fest, dass Misburg für die Instandhaltung der hannoverschen Landwehr zwischen Misburg und Hannover zuständig sei.

1525 umfasste Misburg gerade einmal rund 25 Einwohner, 1585 sieben, 1800 18 Hofstellen. Interessant ist auch, dass der Name Misburg entweder auf ein Moor (durch das einem lokalen Dialekt entstammende Wort Mis) oder die Burg Mudzborgh zurückgeht. Die Burg soll sich im Mittelalter dort befunden haben, wo heute die St.-Anna-Kirche steht. Bei dem Bau des besagten Gotteshauses wurden in der Mitte der 1950er-Jahre nämlich Reste von Grundmauern und Quader aus Sandstein gefunden.

Zeit der Industrialisierung: Misburg wächst rasant an

Ab 1870 war es dann mit der Beschaulichkeit des kleinen Dörfchens Misburg aber endgültig vorbei. Damals entdeckte man Mergel im Misburger Boden – und dieser Mergel wurde in Kalköfen verbrannt und zu Zement gemacht. Die Folge: Die Zementindustrie – bis 1900 gab es vier Fabriken – bildete sich und nutzte die gute Verkehrsanbindung durch die Eisenbahn, um den Zement abzutransportieren. Dazu kam die Spritfabrik. Die Folge: Die Bevölkerung stieg, auch durch Einwanderer aus Schlesien, schnell an und es bildeten sich Wohnsiedlungen für die Arbeiter.

Die einst dörfliche Struktur rund um Meyers Garten – übrigens auch heute noch das Misburger Zentrum – ging somit sukzessive verloren und es wurden Silos für Zement, Förderbänder und Mergelgruben geschaffen. Diese industrielle Prägung führte während des Zweiten Weltkriegs aber auch zu erheblichen Zerstörungen, denn: Misburg war das Ziel von zirka 45 Luftangriffen und wurde, aufgrund der dort ansässigen kriegswichtigen Betriebe, von Tausenden Brand- und Sprengbomben getroffen.

Eine Geschichte, die schwer wiegt

Mehr als die Hälfte der Wohnhäuser wurde deshalb beschädigt oder zerstört. Von Juni 1944 bis April 1945 befand sich direkt am Kanal das Außenlager Hannover-Misburg des Konzentrationslagers Neuengamme. In unmittelbarer Nähe stand dort damals das Raffinerie-Gelände der Deurag-Nerag, wo die Häftlinge Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen verrichten mussten. Die Lebensbedingungen – viele der als Zwangsarbeiter eingesetzten Menschen mussten ungeschützt im Freien übernachten – waren schlecht, die Arbeitsbedingungen mit 67 Wochenstunden eine Katastrophe. Das Lager wurde am 6. April 1945 geräumt.

1979 installierte man am Ort des Außenlagers eine Bronzetafel, 1989 ein Mahnmal aus Stein des Künstlers Eugene Dodeigne. Seit 1963 war Misburg offiziell eine Stadt und wurde 1974 nach Hannover eingemeindet. Neben den zahlreichen (teilweise stillgelegten) Industrierelikten sticht an der Anderter Straße das Gebäude mit der Nummer 53 hervor, das 1927 das erste neu errichtete Jugendheim Deutschlands darstellte. Das Angebot an Schulen, Vereinen und Nahversorgern ist heutzutage in Misburg äußerst gut, die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel ideal – und dieses Potenzial hat auch die Wohnungsgenossenschaft Heimkehr erkannt, die am Efeuhof nahe Groß-Buchholz einige Häuser in sehr guter Lage besitzt. Dazu kommen viele Möglichkeiten zur Naherholung.

Besonders interessant ist vor allem das Naturfreundehaus am Blauen See. Sehen lassen können sich aber auch die Strecken entlang des Mittellandkanals, die zum Joggen, Walken oder Radfahren einladen.

Infokasten: Gustav Bratke – eine Misburger Institution

Der bekannteste Misburger, wenn er auch gebürtig aus Hannover stammte, dürfte sicherlich Gustav Bratke sein. Dieser wurde 1878 geboren und kam als gelernter Lithograf 1910 nach Misburg, wo er erst Lagerhalter des Konsumvereins und später dessen Geschäftsführer war. Ab 1912 gehörte er dem örtlichen Gemeinderat als Mitglied der SPD an. Sieben Jahre später avancierte er zum Bürgermeister Misburgs und zog in den Provinziallandtag ein. In den 1920er- und 1930er-Jahren tat sich Bratke vor allem durch eine vorausschauende Kommunal- und Sozialpolitik hervor, ließ Wohnungen bauen und eine Volksküche errichten. In der Zeit des Nationalsozialismus verlor Gustav Bratke alle politischen Ämter und musste zeitweise ins Gefängnis. Nach dem Krieg fungierte er als Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor von Hannover und war 1947 verantwortlich für die Ausrichtung der Messe, begründete also eine echte Hannoveraner Erfolgsgeschichte.

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